Inga Rumpf - Zöller Network Session

Nordlicht, gar nicht unterkühlt - Inga Rumpf begeistert bei der Zöller Network Session

Über 500 zahlende Zuschauer bei der dreizehnten Auflage der Zöller Networksession im Karlsruher Jubez. Was ist geschehen? Zum einen ist es wohl die Sehnsucht der BAP-Fans, „ihre“ Band (wenn auch ohne den Chef) mal wieder auf der Bühne zu sehen. Aus der Schweiz gar und aus Schleswig-Holstein sind sie angereist. Dieser Teil des Publikums kann sich über ein paar Überraschungen freuen, etwa Gastgeber Jürgen Zöller gleich mehrfach die Leadvocals singen zu hören. Sein „Stand By Me“ klingt wie nachts um drei an der Hotelbar. Nein, nicht betrunken, sondern mit allen Wassern des Lebens gewaschen. 

Zum anderen dürften sich ältere Semester an diesem langen Abend an die 70er Jahre erinnert haben, als man mit den Bands Frumpy und Atlantis und Inga Rumpfs intensiver Stimme auf die musikalische Entdeckungsreise ging. Rumpf, mittlerweile 65, im flachen Lande in der Nähe der Nordsee beheimatet und in Süddeutschland ganz selten zu sehen, überzeugt an diesem Abend auch die, die sie bislang noch nicht auf ihrer musikalischen Agenda hatten. Die Stimme klingt immer noch wie von jugendlichem Feuer getrieben und ist die Klammer, die die musikalischen Epochen der Inga Rumpf mit Leichtigkeit unter einem Hut bringt. Sie nimmt Balladen wie „Pain In My Heart“ jeden Anflug von Verkitschtheit, rettet sogar den durch die Nazareth-Version reichlich abgenudelten Everly Brothers Schmachtfetzen „Love Hurts“, und gelangt immer dann zur ausdrucksstärksten Blüte, wenn sie in die tiefsten Blues-Sümpfe eintaucht

Für die Classic-Rock-Nostalgiker ist „How The Gipsy Was Born“ vom 71er Album „Frumpy 2“ eindeutig der Höhepunkt.  Er dient als Vehikel für Helmut Krumminga und Keyboarder Michael Nass, ein rauchendes, dampfenden, schlammnasses und schwitzigen Gitarren-Orgel-Duell abzuliefern und dabei sicht- und hörbar sehr viel Spass zu haben. Die Möglichkeit zu solch ausufernder Klang-malerei  ist im musikalisch doch deutlich geradliniger gestrickten Universum ihrer Stammkapelle allenfalls in über sehr kurze Distanzen gegeben, und sie nutzen die Freiräume dieser Session weidlich. Dass drei Musiker dieser beseelten Combo dereinst beim souligen Wolf Maahn in Diensten standen, kommt vor allem dem funk-infizierten, groovigen Musikmaterial der Band Atlantis zugute., oben drauf setzt die Sängerin wie Mantras ihre hitzigen, hypnotischen Gesangslinien. 

Ungewöhnlich und spannend an diesen Konzerten ist die Tatsache, dass die Musiker immer nur einen Probentag haben, bevor sie auf die Bühne gehen. Die Songs sitzen eben nur zu 95 Prozent. Und was alles passiert, um die restlichen fünf Prozent zu einem Erlebnis zu machen, kann man anschaulich verfolgen: Man achte auf die kleinen Fingerzeige, die meistens von Helmut Krumminga gesendet werden, und die erfreuten Blicke, wenn die Nummer schließlich in den sicheren Hafen einfährt.

Da macht es dann umgekehrt auch nichts aus, wenn die Weltpremiere des neuen Songs „Back To The Roots“, der von eben dieser Rückbesinnung auf die musikalischen und anderer Wurzeln („Die erste Kippe, der erste Joint, die ersten Jeans“) nun wirklich noch ein wenig wacklig klingt, und Inga Rumpf direkt nach dem letzten Ton schmunzelnd eben das gesteht. 

Thomas Zimmer